Wer Besteck, Töpfe, Becher oder eine Trinkflasche kauft, stößt schnell auf Angaben wie Edelstahl 18/10 oder 18/8. Die Zahlen klingen nach Qualitätsstufe, und viele gehen davon aus, dass 18/10 automatisch besser ist. Ganz so einfach ist es nicht. Hier erfährst du, was die Angaben bedeuten, wo die Unterschiede wirklich liegen und wie gesund Edelstahl für Geschirr und Trinkflaschen ist.
Kurz erklärt: Was bedeutet 18/10 und 18/8?
Die erste Zahl steht für den Chromanteil, die zweite für den Nickelanteil in Prozent. 18/10 bedeutet also rund 18 Prozent Chrom und 10 Prozent Nickel, 18/8 rund 18 Prozent Chrom und 8 Prozent Nickel. 18/0 enthält Chrom, aber kein Nickel.
18/8 und 18/10 fallen in der Regel unter denselben genormten Werkstoff: Edelstahl 1.4301, international als AISI 304 und in Asien als SUS304 bezeichnet, umgangssprachlich auch V2A. Die Norm lässt für diesen Stahl einen Nickelanteil von etwa 8 bis 10,5 Prozent zu. 18/8 und 18/10 sind also eher zwei Punkte innerhalb derselben Stahlsorte als zwei verschiedene Qualitätsklassen.
Die gängigen Edelstahlsorten im Überblick
| Bezeichnung | Werkstoff | Chrom | Nickel | Eigenschaften | Typisch für |
|---|---|---|---|---|---|
| 18/10 und 18/8 (V2A) | 1.4301, AISI 304, SUS304 | ca. 18 % | ca. 8 bis 10 % | rostfrei, lebensmittelecht, kaum magnetisch | Töpfe, Besteck, Becher, Trinkflaschen |
| 18/0 | 1.4016, AISI 430 | ca. 16 bis 18 % | 0 % | magnetisch, nickelfrei, weniger korrosionsbeständig | preiswertes Besteck, Induktionsböden |
| V4A | 1.4401, AISI 316 | ca. 17 % | ca. 10 bis 13 % | mit Molybdän, besonders beständig gegen Salz | Medizintechnik, Bootsbau, Chemie |
Ist 18/10 besser als 18/8?
Nicht grundsätzlich. Rostfrei macht Edelstahl das Chrom: Ab etwa 10,5 Prozent bildet es an der Oberfläche eine nur wenige Nanometer dünne Chromoxidschicht, die den Stahl vor Korrosion schützt. Nickel sorgt vor allem für ein zähes, gut formbares Gefüge und einen schönen Glanz beim Polieren. Gegen Salz und Chlorid hilft dagegen vor allem Molybdän, wie es im V4A-Stahl steckt – nicht ein Nickelanteil von 10 statt 8 Prozent.
Für Becher, Teller und Trinkflaschen sind 18/8 und 18/10 deshalb gleichwertig. Entscheidender als die zweite Zahl sind die Verarbeitung, eine saubere Oberfläche und der Verzicht auf Beschichtungen. Unsere Becher, Teller, Schüsseln, Trinkflaschen und Strohhalme bestehen aus 18/8-Edelstahl (SUS304).

Warum rostet Edelstahl nicht – und wann doch?
Die Chromoxidschicht ist unsichtbar und heilt sich selbst: Wird sie verkratzt, bildet sie sich mit dem Sauerstoff aus der Luft von allein neu. Deshalb bleibt Edelstahl auch nach Jahren in der Spülmaschine blank.
Trotzdem können braune Punkte auftauchen. Das ist meist Flugrost: Winzige Eisenpartikel von anderen Gegenständen – etwa von Stahlwolle, rostigem Besteck oder einem Grillrost – lagern sich auf dem Edelstahl ab und rosten dort. Der Edelstahl selbst ist dabei in der Regel intakt. Die Flecken lassen sich mit Edelstahlreiniger, Zitronensäure oder einer Paste aus Natron und Wasser entfernen.
Echte Korrosion entsteht vor allem durch Chlorid, etwa aus Chlorreinigern, Bleiche oder konzentriertem Salzwasser. Chloridionen können die Schutzschicht punktuell durchbrechen und sogenannten Lochfraß verursachen. Deshalb gilt: keine Chlorreiniger auf Edelstahl, Salz beim Kochen erst ins kochende Wasser geben und salzige Reste nicht tagelang eintrocknen lassen.
Ist Edelstahl magnetisch?
Das hängt von der Sorte ab. Nickelfreier Edelstahl 18/0 ist magnetisch, deshalb haben Töpfe für Induktionsherde oft einen Boden aus magnetischem Stahl. Edelstahl 18/8 und 18/10 ist im Normalzustand kaum magnetisch, kann durch Kaltverformung – etwa an gebogenen Stellen – aber leicht magnetisch werden. Mit dem Magnettest lässt sich die Qualität deshalb nicht zuverlässig prüfen.
Wie gesund ist Edelstahl?
Edelstahl 18/8 und 18/10 gehört zu den bewährtesten Materialien für Lebensmittel – Profiküchen, Molkereien und Brauereien arbeiten damit. Wie alle Materialien mit Lebensmittelkontakt muss auch Edelstahlgeschirr nach der EU-Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 so beschaffen sein, dass es keine Stoffe in gesundheitlich bedenklichen Mengen an Lebensmittel abgibt. Der Europarat hat in einem Leitfaden für Metalle und Legierungen konkrete Freisetzungsgrenzen festgelegt, für Nickel zum Beispiel 0,14 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel.
Kleine Mengen Nickel und Chrom können trotzdem übergehen, vor allem aus neuem Kochgeschirr und bei langem Kochen saurer Speisen. Eine Studie der Oregon State University zeigte 2013, dass Tomatensoße, die stundenlang in neuen Edelstahltöpfen köchelte, deutlich mehr Nickel und Chrom aufnahm. Mit jedem weiteren Kochvorgang sank die Abgabe. Für Becher, Teller und Trinkflaschen, aus denen du isst und trinkst, statt darin zu kochen, spielt das praktisch keine Rolle.
Edelstahl bei Nickelallergie
Nickel ist eines der häufigsten Kontaktallergene. Bei Hautkontakt gibt Edelstahl 18/8 in der Regel nur sehr wenig Nickel ab, weil das Metall fest im Stahl gebunden ist. Menschen mit einer ausgeprägten Nickelallergie reagieren manchmal auf Nickel aus der Nahrung. Wer betroffen ist, kocht neue Töpfe vor dem ersten Gebrauch einige Male mit Wasser aus, lässt saure Speisen nicht stundenlang darin schmoren und spricht im Zweifel mit der Ärztin oder dem Arzt. Nickelfreier Edelstahl 18/0 ist eine Alternative, allerdings weniger korrosionsbeständig.
Edelstahl erkennen: Prägung, Stempel und Werkstoffnummer
Hochwertiges Edelstahlgeschirr ist gekennzeichnet – mit „18/8“, „18/10“, „SUS304“ oder „1.4301“. Achte beim Kauf außerdem auf den Hinweis „lebensmittelecht“ und darauf, dass die Innenseite nicht beschichtet ist. Bei Trinkflaschen sollte der gesamte Innenraum aus Edelstahl bestehen.

Pflege: Kalk, Regenbogenfarben und Flugrost entfernen
- Weiße Flecken: meist Kalk oder Stärke. Mit Essig oder Zitronensäure abwischen, nachspülen, trocken reiben.
- Regenbogenfarben: entstehen durch Hitze, wenn die Oxidschicht dicker wird. Sie sind harmlos und lassen sich mit Essig, Zitronensäure oder Edelstahlreiniger meist entfernen.
- Braune Punkte: meist Flugrost von fremdem Eisen. Mit Edelstahlreiniger oder einer Natronpaste entfernen.
- Kratzer: gehören zur Patina. Feine Kratzer lassen sich mit Edelstahlpflege aufpolieren, Stahlwolle macht es schlimmer.
- Tabu: Chlorreiniger, Bleiche, Stahlwolle und grobes Scheuerpulver.
Wie du Trinkflaschen und Strohhalme aus Edelstahl reinigst, erklären wir ausführlich in den Anleitungen Trinkflasche reinigen und Edelstahl-Strohhalme reinigen.
Nachhaltig: Edelstahl ist fast unbegrenzt recycelbar
Edelstahl lässt sich ohne Qualitätsverlust einschmelzen und zu neuem Stahl verarbeiten. Nach Angaben des Branchenverbands worldstainless werden weltweit rund 95 Prozent des Edelstahls am Ende seiner Nutzung recycelt, und neuer Edelstahl besteht im Schnitt zu 48 Prozent aus Schrott. Das macht Edelstahlgeschirr doppelt nachhaltig: Es hält Jahrzehnte und geht danach nicht verloren.
Edelstahl-Produkte von AllEco
Mehr über die Vorteile im Alltag liest du in unseren Ratgebern Edelstahlbecher und Edelstahlteller.
Häufige Fragen zu Edelstahl 18/10 und 18/8
Was bedeutet Edelstahl 18/10?
18/10 steht für rund 18 Prozent Chrom und 10 Prozent Nickel. Dieser Edelstahl gehört meist zum Werkstoff 1.4301, international AISI 304. Er ist rostfrei, lebensmittelecht und wird für Töpfe, Besteck und Geschirr verwendet.
Was ist besser, 18/10 oder 18/8?
Für Geschirr, Becher und Trinkflaschen sind beide gleichwertig. Rostfrei macht der Chromanteil, der bei beiden gleich ist. Der etwas höhere Nickelanteil von 18/10 verbessert vor allem Glanz und Verformbarkeit.
Ist Edelstahl 18/8 gesundheitsschädlich?
Nein. Edelstahl 18/8 ist ein bewährter, lebensmittelechter Werkstoff. Bei normalem Gebrauch gehen nur sehr geringe Mengen Nickel und Chrom über, die als unbedenklich gelten. Etwas mehr kann es bei langem Kochen saurer Speisen in neuen Töpfen sein.
Ist Edelstahl 18/10 magnetisch?
Im Normalzustand kaum. Durch Verformung kann er leicht magnetisch werden. Deutlich magnetisch ist nickelfreier Edelstahl 18/0, der deshalb oft für Induktionsböden verwendet wird.
Ist Edelstahl nickelfrei?
18/8 und 18/10 enthalten Nickel, 18/0 ist nickelfrei. Das Nickel ist fest im Stahl gebunden, bei normalem Gebrauch geht nur sehr wenig über. Menschen mit ausgeprägter Nickelallergie sollten ihre Ärztin oder ihren Arzt fragen.
Was bedeutet SUS304 auf meinem Becher?
SUS304 ist die japanische Normbezeichnung für den Edelstahl, der in Europa als 1.4301 und umgangssprachlich als 18/8 oder V2A bekannt ist. Die Prägung zeigt, dass der Becher aus rostfreiem, lebensmittelechtem Edelstahl besteht.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 über Materialien und Gegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen
- Europarat (EDQM): Metals and alloys used in food contact materials and articles
- Kamerud et al. (2013): Stainless Steel Leaches Nickel and Chromium into Foods during Cooking, Journal of Agricultural and Food Chemistry
- Informationsstelle Edelstahl Rostfrei: Merkblatt 824 – Reinigung von Edelstahl Rostfrei
- worldstainless: The Global Life Cycle of Stainless Steels






